Rotmilan (Milvus milvus) und Schwarzmilan (Milvus migrans)

Rudolf Ortlieb, ein bekannter Helbraer Ornithologe, zitiert Makatsch (1972) im Rotmilan-Band der Neuen-Brehm-Bücherei-Reihe: „Bereits die alten Römer bezeichneten einen Greifvogel mit „Milvus“. Der mäusebussardgroße Rotmilan, im Volksmund auch Gabelweihe genannt, ist mir bereits seit frühester Kindheit aus meiner Heimat im Unstruttal bekannt. Sein imposantes Flugbild und seine Flugspiele haben mich schon immer begeistert. Der Rotmilan ist mit einer Körperlänge von 60-70 cm etwas größer als ein Mäusebussard. Der Kopf ist hellgrau, die Färbung des Rumpfes, des Schwanzes sowie die Flügeloberseiten ist überwiegend rot-bräunlich. Die Flügelunterseiten wirken durch helle Federn in den Handschwingen kontrastreich. Auffällig ist weiterhin sein auffälliger schaukelnder Flug. Meist nur in Horstnähe hört man seinen Ruf, ein fast miauendes „hi-hi-hia“.

Junge Rotmilane auf dem Horst

Kleinschmidt  (1870  bis 1954) schreibt: „Wo Adler nicht vorkommen, ist der Rote Milan die stattlichste, eindrucksvollste Erscheinung unter den Raubvögeln…“.Dem kann man nur zustimmen. Der Rotmilan hat eine Größe zwischen 60 und 73 cm, eine Flügelspannweite von 150 bis 170 cm und weist bei dieser Größe nur ein Gewicht von 0,9 bis 1,2 kg auf. Seine Schwanzlänge liegt zwischen 30-39 cm und sein Gewicht beträgt zwischen 0,75 und 1,3 Kg. Rotmilane haben eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren.

Rotmilan

Der bisher älteste freilebende Vogel wurde 29 Jahre und 10 Monate alt. In Gefangenschaft soll ein Rotmilan das stolze Alter von 38 Jahren erreicht haben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt jedoch, aufgrund der fehlenden Erfahrungen der Jungvögel in Bezug auf ihren Lebensraum und der dort lauernden Gefahren, lediglich nur 36 Monate.Zu verwechseln ist der Rotmilan am ehesten mit seinem nahen Verwandten dem Schwarzmilan. Der unterscheidet sich im wesentlichen durch seine schwarzbraune Färbung, seine etwas geringere Größe und vor allem durch den nicht so auffällig wie beim Rotmilan gegabelten Schwanz („Gabelweihe“).

Rotmilan
Die Hauptnahrung des Rotmilans besteht überwiegend aus kleinen Säugetieren und Vögeln. Das sind unter anderem Feldmäuse, Hamster wo es sie noch gibt, Maulwürfe, Stare, Drosseln aber auch Rabenvögel wie z.B. Elster und Rabenkrähe. Seltener werden auch an der Wasseroberfläche treibende tote oder verletzte Fische aufgenommen. Aber auch Käfer und Regenwürmer sind wichtige Bestandteile seiner Nahrung. Der Rotmilan nimmt aber auch Aas zu sich. Aufgrund der fehlenden Nahrung stellten sich die Milane um und suchen auch wilde Müllkippen und Straßen nach „entsorgten“ oder verendeten Tieren ab. Oft wird dem Rotmilan unterstellt auch Hühner zu schlagen, da er dann und wann mit Resten von Hühner angetroffen wird. Hierbei handelt es sich jedoch ausnahmslos um im Hühnerhof verendete und von Hühnerhaltern sorglos in die Landschaft entsorgte Tiere. Besonders in ihrem spanischen Überwinterungsgebieten sind die Rotmilane auf die dortigen Müllkippen zur Ernährung angewiesen. Außerdem ist der Rotmilan auch ein erfolgreicher Beuteschmarotzer und jagt anderen Greif- und Rabenvögeln die Beute ab. Sein Nahrungsbedarf pro Tag beträgt ca. 130 Gramm.
Die Zugzeit beginnt. (Fotos: Jan Krawetzke)

Die Mehrzahl der mitteleuropäischen Rotmilane verlassen im Herbst von Mitte September bis Mitte Oktober ihr Brutgebiet und ziehen nach Südwesten, insbesondere nach Spanien. Nur wenige überwintern bei uns. Bereits ab Mitte Februar erscheinen die ersten Rotmilane wieder im Brutgebiet. Im Alter von 2 Jahren werden Rotmilane geschlechtsreif. Obwohl sie den Winter nicht gemeinsam verbrachten, finden sich die Paare meist im Brutrevier wieder In der Regel beginnen sie zwischen Februar und März mit der Balz

Balzflug (Foto: Jan Krawetzke 2015)

Bereits Anfang März werden die alten Horste wieder in Besitz genommen und ausgebessert. Der Horst des Rotmilans hat etwa einen Durchmesser von 70-100 cm.

Rotmilanhorste

auf Rotbuche
auf Rotbuche
auf Eiche
auf Pappel
auf Esche
auf Pappel

Das Horstmaterial besteht aus bis zu daumendicken Ästen sowie dünnem Reisig. Oft sind im Horst auch Lumpen, Papier, Bindfäden, Federn, Tierhaare aber auch Folien zu finden. Anfang bis Ende April werden 3-4 Eier gelegt und 32 bis 33 Tage bebrütet. Die Nestlingszeit beträgt in der Regel zwischen 48 und 54 Tagen, kann jedoch bei mangelndem Nahrungsangebot auch bis zu 70 Tage betragen.

Rotmilanrevier im Burgenlandkreis
Rotmilane im Flug

Ein Brutpaar benötigt ein Jagdrevier von ca. 15 km² Größe. Die Entfernung von Brutrevier zum Nahrungsraum kann ohne weiteres 12 bis 15 km betragen. Seine Brutplätze befinden sich bei uns überwiegend in den Gehölzbeständen entlang der Unstrutufer oft mir Schwarzmilanen vergesellschaftet. Aus den großen Waldungen, wo er noch bis vor zwanzig Jahren häufig zu finden war, ist er fast vollständig verschwunden. Durch die Übernahme westlicher Anbaumethoden in der Landwirtschaft sank die Zahl der Rotmilane in Ostdeutschland im letzten Jahrzehnt drastisch.

Rapsacker-01
Ein leider typisches Bild – Raps soweit das Auge reicht!

Regional sollen die Bestandeseinbußen im Osten Deutschlands seit 1991 bis zu 50 % betragen. Die Veränderungen in der Landwirtschaft haben durch Umstellung der Mahdtermine, eine Änderung der angebauten Feldfrüchte insbesondere mit großen Anteilen an Raps, Sonnenblumen und verschiedenen Getreidearten, dem Rückgang der Weidehaltung der Reduzierung des Grünfutteranbaus (z.B. verschiedene Kleearten) mit regelmäßiger Mahd, insbesondere eine Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit zur Folge. Ein weiterer Aspekt ist das fast vollständige Verschwinden des Feldhamsters, welcher in vielen Regionen das Hauptbeutetier darstellte.

Brutrevier des Rotmilans im Burgenlandkreis- soweit das Auge reicht noch frei von Windkraftanlagen

Der Rotmilan bevorzugt offene, reich strukturierte Landschaften mit Wiesen, Feldern, Hecken, Waldrändern und Flusstälern, wie er sie vor allem bei uns im Unstruttal und seinen Nebentälern noch vorfindet.

Rotmilane
Schwarzmilan-03
Schwarzmilane
Schwarzmilanhorst mit brütendem Altvogel
SMi-juv-a-Horst
Junger Schwarzmilan
Schwarzmilanhorst auf Roterle
Schwarzmilan brütend

Zum Schutzstatus des Rotmilans 
EU-Vogelschutzrichtlinie: Art. 4 Abs. 1: Anhang I – Art
Berner Konvention (streng geschützte Art)
Bundesnaturschutzgesetz: § 10 Abs. 2 Nr. 11: streng geschützte Art   Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang 2
Jagdrecht: Art unterliegt BJagdG (keine Jagdzeit festgesetzt)
Gefährdungsgrad: Rote Liste Deutschland (2016): V – Vorwarnliste
Rote Liste Sachsen-Anhalt. Kategorie 3 – Gefährdet!

Rotmilan

Zahlen und Fakten zum Bestand des Rotmilans (Stand um 2014)

Der weltweite Bestand beträgt ca. 31.000 – 38.000 Brutpaare. 

Deutschland beherbert ca. 14.600 Brutpaare, also ca. 42 % des Weltbestandes. 

In Sachsen-Anhalt leben ca. 2000 Brutpaare und somit fast 5,8 % des Weltbestandes.

ca. 13,7 % des Rotmilanbestandes Deutschlands leben im Land Sachsen-Anhalt, was jedoch nur 5,7 % der Fläche Deutschlands aufweist.

Dementsprechend hat Sachsen-Anhalt eine hohe Verantwortung für die Art Rotmilan!!!

Leider lässt die Natur-und Artenschutzpolitik in Hinsicht auf die sich für das Land Sachsen-Anhalt ergebenden Verantwortung einiges zu wünschen übrig.

(Quelle: Rotmilanzentrum Sachsen-Anhalt)

Zur besonderen Verantwortung des Landes Sachsen-Anhalt!

Ursachen für den Rückgang des Rotmilans

Typische Rotmilanreviere im Burgenlandkreis
Rapsacker-01
Ein leider mittlerweile typisches Bild – Raps soweit das Auge reicht!

Landwirtschaft

Die Veränderungen in der Landwirtschaft haben durch Umstellung der Mahdtermine, eine Änderung der angebauten Feldfrüchte insbesondere mit großen Anteilen an Raps, Sonnenblumen und verschiedenen Getreidearten (vermehrter Anbau von Energiepflanzen und nachwachsenden Rohstoffen, Einschränkung der Fruchtfolge), die Rücknahme der Flächenstilllegung, dem Rückgang der Weidehaltung der Reduzierung des Grünfutteranbaus (z.B. verschiedene Kleearten) mit regelmäßiger Mahd , dem Rückgang des für die stark reduzierte Rinderaufzucht benötigten Grünlandes (zugunsten von Raps- und Maisanbauflächen), insbesondere eine dramatische Reduzierung der vom Rotmilan nutzbaren Nahrungsflächen und somit Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit und   der Qualität der Lebensräume zur Folge. Durch die „Übernahme westlicher Anbaumethoden“ in der Landwirtschaft sank die Zahl der Rotmilane in Ostdeutschland im letzten Jahrzehnt drastisch. Ein weiterer Aspekt ist das fast vollständige Verschwinden des Feldhamsters, welcher in vielen Regionen das Hauptbeutetier darstellte.

Rotmilanrevier in Wandlung! Raps, Raps, Raps!
…. und auch die Maisäcker haben in bedrohlicher Weise zugenommem!

Forstwirtschaft

Trotz Verbots (§ 28 NatSchG LSA) freigestellter und dann verlassener Rotmilanhorst bei Bad Bibra! (2013/14)
Freigestellter Rotmilanhorst (2015/2016)

Durch die intensivierte Waldbewirtschaftung in Staats- und Privatwäldern kommt es zu Verlusten von und Störungen an Horstbäumen und zur Vergrämung der Brutvögel z. B. durch Holzeinschlag und Brennholznutzung in Horstbaumnähe.

Verfolgung/Freizeitnutzung

Habichtskorb in einem Garten
Angelstelle im Rotmilanrevier.

Nicht unwesentlich für den Rückgang des Rotmilans sind sicher auch die direkte Verfolgung durch Abschuss , Vergiftung und Fang sowie die vermehrten Freizeitaktivitäten und die sich daraus ergebenden Störungen an den Horstplätzen (z.B. Angler, Motorboottourismus usw.). Das illegale Aufstellen von Habichtskörben und Tellereisen zum Zecke des Greifvogelfangs gehören leider noch lange nicht der Geschichte an. Oft werden die gefangenen Vögel erschlagen oder sterben später an ihren schweren Verletzungen. Siehe hierzu auch Komitee gegen den Vogelmord e.V oder den Leitfaden „Illegale Greifvogelverfolgung“.

Rotmilan im Suchflug über unserem Garten

Feinddruck

Waschbär (Gefangenschaftsaufnahme – Jan Krawetzke)
Vom Waschbär ausgeräuberter Schwarzmilan-Horst (2016)
Der Waschbär fühlte sich gestört …
….. und kletterte bis in den Wipfel der Eiche! Fotos (3): Jan Krawetzke (2016)

Zum neuen Feind des Rot- und auch des Schwarzmilans hat sich leider auch der Waschbär entwickelt. Mit Zunahme seines Bestandes fallen diesem auch immer mehr Greifvogelbruten zum Opfer. Immer häufiger trifft man Waschbären auf Greifvogelhorsten ruhend oder schlafend an. Im vorigen Jahr fand ich zu meinem Entsetzen einen Waschbär auf einem wenige Tage vorher noch besetzten Rotmilan-Horst vor. Was mit dem Horstinhalt, den jungen Rotmilanen passiert ist, ist sicher jedem klar (Siehe Ende der Seite!).

Rotmilan
Schwarzmilan

Aber man kann etwas tun! (Ein Beipiel aus dem Burgenlandkreis!)

In gefährdeten Bereichen, dass sollte bei der rasanten Vermehrung und Ausbreitung des Waschbären bereits fast überall der Fall sein, hilft ein Kletterschutz am Horstbaum!

Hier eine Aktion der unteren Naturschutzbehörde im Burgenlandkreis:

Kletterschutz

Leider musste die Aktion 2021 aufgrund von Personalmangel bei der unteren Naturschutzbehörde (Betreuer im praktischen Naturschutz) fast gänzlich eingestellt werden!

Windkraft und Freileitungen, Straßenverkehr

Kollisionsverluste an Windenergieanlagen und Freileitungen

Winkraftanlagen im Nahbereich von Waldflächen mit Rotmilanbrutplätzen

Ein in den letzten Jahren immer aktueller gewordenes Thema, sind die nicht unerheblichen Verluste an Hochspannungsleitungen und vor allem an Windkraftanlagen in den überall aus dem Boden schießenden Windparken, die sich auch immer weiter den noch verbliebenen starken Populationen, wie die im Unstruttal, nähern.

Windräder unweit des NSG Müchelholz (Saalekreis) – Ohne Worte!

Einen interessanten Artikel des Präsidenten des Landesumweltamtes Brandenburg zu Windkraftnutzung und Vogelschlag findet Ihr unter nachfolgendem Link:

www.wattenrat.de

Mehr zur Thematik Rotmilan und Windkraft seht auf meiner Windkraft-Seite! (in Vorbereitung)

Raps und Verdrahtung!
Verdrahtung der Landschaft!
Raps, Raps, Raps …. !

Was ist zu tun!

Mögliche Maßnahmen:

  • Einflussnahme auf die landwirtschaftliche Nutzung in Gebieten mit noch stabilen Rotmilanvorkommen, insbesondere in Hinsicht auf die Lebensraumansprüche des Rotmilans (z. B. Erhalt der wenigen noch vorhandene Grünlandflächen, Erhaltung und Anlage von Brachen, Förderung der Randstreifen Begrenzung /Reduzierung des Anbaus von die Nahrungsverfügbarkeit verschlechternden Kulturen, wie Mais, Raps, Sonnenblumen und verschiedenen Getreidearten sowie Förderung einer Fruchtfolge).
  • Berücksichtigung von Rotmilanvorkommen bei Planungen (z. B. Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergienutzungen, bei der Planung von Trassen für Straßen, Bahnlinien oder Energieleitungen)
  • Schutz von Horstbäumen vor Störungen während der Brutzeit (keine forstwirtschaftliche Nutzung insbesondere auch durch Selbstwerber im Nahbereich von Rotmilanhorsten, Aufklärung von Freizeitnutzern wie z.B. Anglern und organisierten Freizeitsportlern, Besucherlenkung)
  • Verhinderung und konsquente Verfolgung und Ahndung illegaler Tötungen (z.B. Abschuss, Vergiftung und vorsätzliche Vergrämung)                                                            
Rotmilan im Suchflug über unserem Garten

Nochmal zurück zur Problematik Waschbär

Zur tatsächlichen Bestandsentwicklung des Waschbären lässt sich nicht allzuviel finden. Eine interessante Seite rund um den Waschbären findet Ihr hier: Waschbärenseite.  Der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) macht darauf aufmerksam, dass besonders Waschbär und Marderhund Deutschland für sich entdeckt haben.  Mehr als 54.000 Waschbären kamen im Jagdjahr 2008/09 (April 2008 bis März 2009) zur Strecke – über 18.000 Exemplare mehr als im Jahr davor. Neben dem Waschbär ist auch der Marderhund auf dem Vormarsch. Über 30.000 Exemplare erlegten die Jäger in der vergangenen Saison. Die Entwicklung der Jagdstrecken verdeutlicht die rasante Verbreitung der beiden Wildtiere: Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der erlegten Waschbären und Marderhunde auf das 9-fache angestiegen.

Waschbär (Verkehrsopfer) – Man achte auf das Gebiss!
Waschbärenfährte
Waschbär (Gefangenschaftsaufnahme Jan Krawetzke)
Kratzspuren an einem Rotmilanhorstbaum

Interessantes zum Rotmilan

Akinese

Junge Rotmilane verfallen bei der Beringung in eine Bewegungslosigkeit, in ein Sich-tot-stellen (Akinese)

„Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“

Charles Darwin

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