Im Aufbau!

Naturschutzrecht

Auf dieser Seite möchte ich Euch über Neues und Interessantes aus oder zum Naturschutzrecht informieren!

Die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung war offensichtlich bereits vor der Geburt Christi  ein Thema! 

„Sofern wir in die Natur eingreifen, haben wir strengstens auf die Wiederherstellung ihres Gleichgewichts zu achten.“
Heraklit von Ephesus
(Griech. Philosoph, um 520 – um 460 v. Chr.) 

Naturschutzbehörden

Den Naturschutzbehörden obliegt der Vollzug des Natur- und Artenschutzrechts, vor allem des Völkerrechts (globale und regionale internationale Abkommen), des Europarechts (Richtlinien und Durchführungsverordnungen), des Bundesrechtes (Gesetze und Verordnungen) sowie des Landesrechtes (Landesnaturschutzgesetze, Verordnungen, Runderlasse etc.).

Die Naturschutzbehörden, und da meine ich vor allem die unteren auf Landkreisebene, haben einen Aufgabenbereich vom Elefantenstoßzahn bis zur Hornisse, von Baumfällung bis Zoogenehmigung, von Unterhaltung und Schutz von Naturdenkmalen bis zur Exotenhaltung, von Schutzgebietsverwaltung bis zur Fördermittelbeantragung, von privaten Streitigkeiten bis zum Großprojekt und vielem mehr. Die täglichen Herausforderungen bewegen sich im Verwaltungsrecht, im Völkerrecht, Europarecht, im Ordnungsrecht, im Strafrecht bis hin zum Privatrecht.

Chronisch unterbesetzt, ungeliebt oder gar gehasst, meist ohne Anerkennung und Wertschätzung von „Oben“, „Unten“, „Innen“ und „Außen“, nur gemessen an den wenigen Ablehnungen oder Beschränkungen die beim Versuch der Umsetzung der oben genannten Vorschriften unabdingbar sind, erteilte Genehmigungen, Zustimmungen etc. zählen nicht viel, machen sie so gut es eben geht ihre Arbeit.

Die stete Suche nach Lösungswegen und gangbaren Kompromissen wird als Selbstverständlichkeit hingenommen. Trotz aller dieser „Widrigkeiten“ machen viele dieser Leute  das Beste daraus.

Zum Dank erhalten Sie noch einen netten Spruch, wie „Grüne Spinner“, mit auf den Weg. 

Insektenschutzgesetz – Demnächst mehr dazu!

Artenschutz – CEF-Maßnahmen

Zeitlich vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen gemäß § 44 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz

Als CEF-Maßnahme (measures that ensure the continued ecological functionality) werden im Bereich der Eingriffsregelung Maßnahmen des Artenschutzes verstanden. Die Grundlage ergibt sich aus § 44 Abs. 5 i.V.m § 15 Bundesnaturschutzgesetz.

Für zulässige Eingriffe besteht im Rahmen des § 44 Abs. 5 BNatSchG die Sonderregelung, dass ein Verstoß gegen diese Verbote nicht vorliegt, soweit die ökologische Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Fortpflanzungs- oder Ruhestätten , soweit notwendig unter Umsetzung von CEF-Maßnahmen – im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt wird. Die Lebensstätte der betroffenen Population soll in Qualität und Umfang erhalten werden. Die Maßnahme soll einen unmittelbaren räumlichen Bezug zum betroffenen Habitat haben und möglichst angrenzend neue Lebensräume schaffen. 

Sie müssen also vor einem Eingriff in direkter funktionaler Beziehung durchgeführt werden. Die ökologische Funktionalität soll ohne zeitliche Lücke gewährleistet werden und sind in jedem Falle über ein begleitendes Monitoring, dass deren Erfolg kontrollieren soll, abzusichern.

Zu den allgemeinen Anforderungen an vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen lest mehr unter:

Bei welchem Eingriff welche CEF-Maßnahme?

Abriss einer Gebäuderuine die eine Lebensstätte für geschützte Fledermäuse oder Schwalben beherbergt – vor Abriss des Gebäudes sind im Rahmen einer CEFMaßnahme geeignete Ersatzlebensräume neu zu schaffenAufhängen von Fledermauskästen oder Nisthilfen an geeigneten Stellen im Nahbereich

Fledermauskasten
Schwalbenturm

Zerstörung eines Zauneidechsenhabitats z. B. im Bereich alter Bahnanlagen oder in Bodenabbaubereichen – Herstellung eines neuen Habitats, Abfang und Umsetzung der Zauneidechsen

Zauneidechsen-Ersatzhabitat

Beseitigung eines Laichhabitats – Herstellung eines neuen Laichhabitats, Abfang und Umsetzung oder geeignete Lenkung der Lurche in das Ersatzhabitat

Neuanlage Laichhabitat

Ein interessanter Artikel vom Büro ISU zur Thematik CEF-Maßnahmen im Zusammenhang mit einer Bebauungsplanung.

Fakt ist jedoch leider, ob CEF-Maßnahme im Artenschutz oder einfache Kompensationsmaßnahme im Rahmen der Eingriffsregelung,  dass die Umsetzung und insbesondere die langfristige Erhaltung und damit Nachhaltigkeit dieser Maßnahmen, durch die überlasteten Naturschutzbehörden nicht gewährleistet werden kann.

Naturschutz im Flurbereinigungsverfahren

Rechtsgrundlage: Flurbereinigungsgesetz (FlurbG)

z. B. § 86 -Vereinfachtes Flurbereinigungsverfahren zur Landentwicklung

(1) Ein vereinfachtes Flurbereinigungsverfahren kann eingeleitet werden, um

  1. Maßnahmen der Landentwicklung, insbesondere Maßnahmen der Agrarstrukturverbesserung, der Siedlung, der Dorferneuerung, städtebauliche Maßnahmen, Maßnahmen des Umweltschutzes, der naturnahen Entwicklung von Gewässern, des Naturschutzes und der Landschaftspflege * oder der Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes zu ermöglichen oder auszuführen,
  2. Nachteile für die allgemeine Landeskultur zu beseitigen, die durch Herstellung, Änderung oder Beseitigung von Infrastrukturanlagen oder durch ähnliche Maßnahmen entstehen oder entstanden sind,
  3. Landnutzungskonflikte aufzulösen oder
  4. eine erforderlich gewordene Neuordnung des Grundbesitzes in Weilern, Gemeinden kleineren Umfangs, Gebieten mit Einzelhöfen sowie in bereits flurbereinigten Gemeinden durchzuführen.

* Leider beschränkt sich der Naturschutzteil in vielen Verfahren weitgehend nur auf Kompensationsmaßnahmen für die im Rahmen der umzusetzenden    Baumaßnahmen legalisierten Eingriffe!

Ein Beispiel für ein Flurbereinigungsverfahren nach § 86 FlurbG ist das

Flurbereinigungsverfahren „Goseck – Himmelswege“ im BLK

Dieses Verfahren erstreckt sich über einen großen Anteil über naturschutzrechtliche Schutzgebiete wie ein FFH-Gebiet, ein Naturschutzgebiet, ein Landschaftsschutzgebiet sowie Bereiche mit einer Vielzahl von geschützten Biotopen!

Dort findet sich neben den o.g. Verfahrenszielen auch die Schaffung von Voraussetzungen für die weitere touristische Entwicklung in der Saale-Unstrut-Region(Quelle: ALFF Süd). Die Grundlage für ein entsprechendes Verfahrensziel habe ich leider im Gesetz nicht gefunden. 

Landwirtschaftlicher Weg (Nutzung: Radweg!) Übrigens ist die Unterbrechung des Asphaltbandes , welches als Querungshilfe für Insekten, Kriechtiere etc. gedacht war, aufgrund der gewählten skater- und raserfreundlichen Bauweise, funktionslos!

Wie steht es im Verfahren eigentlich mit der Umsetzung von Natur- und Artenschutzrecht?

Auch die Naturschutzbehörden werden im Rahmen des Verfahrens als Träger öffentlicher Belange beteiligt. Es wird das sogenannte Benehmen zwischen Genehmigungsbehörde und Naturschutzbehörde hergestellt.

Was ist eigentlich unter Benehmensherstellung zu verstehen?

Benehmen ist in der Rechtswissenschaft eine Form der Mitwirkung bei einem Rechtsakt (z.B. bei einer Plangenehmigung oder einer Planfeststellung). Während Einvernehmen bedeutet, dass vor einem Rechtsakt das Einverständnis einer anderen Stelle (z. B. der Naturschutzbehörden) vorliegen muss, ist dagegen eine Entscheidung, die im Benehmen mit einer anderen Stelle zu treffen ist, nicht unbedingt mit dem Einverständnis der anderen Stelle zu fällen.

Das heißt, dass zu Maßnahmen im Flurbereinigungsverfahren, wie Wegeneu- und Wegeausbau (Versiegelung, Zerschneidung, Tötung geschützter Arten, Lebensraumverlust), Gehölzbeseitigungen (Lebensraumverlust, Vergrämung), Gewässerbaumaßnahmen (Lebensraumverlust) usw., welche mit der Plangenehmigung legalisiert werden, zwar die Naturschutzbehörden „befragt“ werden und diese ihren naturschutz- und artenschutzrechtlichen Sachverstand einbringen dürfen, aber die Entscheidung ob und in welchem Umfang entsprechende Eingriffe in die Natur (Eingriffsregelung) oder in Bestände besonders und besonders geschützter Arten (Allgemeines und Besonders Artenschutzrecht) stattfinden, liegt bei der verfahrensführenden Behörde. Das sind bei Flurbereinigungsverfahren gemäß § 86 FlurbG die örtlich zuständigen Ämter für Landwirtschaft.

FAZIT

Also, wenn Ihr in einem entsprechenden Verfahrensgebiet unterwegs seid und entsprechende Eingriffe feststellt, bei welchen nach Eurer Ansicht der Natur- und Artenschutz zu kurz kommt, dann fragt beim zuständigen Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung nach!

Horstschutz

Rechtsgrundlage: § 28 NatSchG LSA

Wusstet Ihr eigentlich, dass es im Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (NatSchG LSA) vom 10. Dezember 2010 (GVBl. LSA S. 569) eine Regelung zum Horstschutz gibt? Diese soll einige Arten vor Störungen in der Brutzeit, aber auch ihre Horste darüber hinaus schützen!

Hier der Wortlaut der Regelung:

Zum Schutz der besonders störungsempfindlichen und in ihrem Bestand gefährdeten Arten ist es nicht gestattet, Bruten von Schwarzstorch, Adlerarten, Rotmilan, Wanderfalke und Kranich durch störende Handlungen wie Aufsuchen, Filmen oder Fotografieren zu beeinträchtigen oder zu gefährden. Brut und Aufzucht störende Handlungen sind in einem Umkreis von 300 Metern zu unterlassen. Die Niststätten dieser Arten dürfen in einem Umkreis von 100 Metern, im Fortpflanzungszeitraum in einem Umkreis von 300 Metern, durch den Charakter des unmittelbaren Horstbereiches verändernde Maßnahmen, insbesondere durch Freistellen von Brutbäumen oder Anlegen von Sichtschneisen, nicht beeinträchtigt oder gefährdet werden. Die zuständigen Naturschutzbehörden können Ausnahmen unter den Voraussetzungen des § 45 Abs. 7 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) zulassen.

Tja, ob das schon bis an die Ohren und Augen der Verantwortlichen gedrungen ist. Selbst wenn, was nützt es, wenn man die Horststandorte z.B. im Wald nicht kennt bzw. diese nicht von denen anderer Arten unterscheiden kann! Also werden auch weiterhin z.B. Rotmilanhorste „fallen“.

Um Verluste zu vermeiden, sollte man sich an die zuständige Naturschutzbehörde und gegebenenfalls an im entsprechenden Gebiet tätige Ornithologen wenden.

Rotmilan - seinen Schutz soll der "Horstschutzparagraf" unterstützen!

Mittelspannungsleitungen gesichert?!

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ titelte zum Jahreswechsel 2012/2013 in verschiedenen Ausgaben „Sicherheit für Großvögel verbessert“. Das Unternehmen Mitnetz Strom, was über seine Anstrengungen und Ausgaben berichtet, ist damit seinen gesetzlichen Pflichten der Sicherung von Mittelspannungsleitungen nachgekommen. Die Frist für diese Maßnahmen wurde bereits mit dem Bundesnaturschutzgesetz von 2002 (…. innerhalb von 10 Jahren“) gesetzt.

Rechtsgrundlage: § 41 Bundesnaturschutzgesetz

Entsprechend vorbezeichnetem Paragraf (Vogelschutz an Energiefreileitungen) des Bundesnaturschutzgesetzes (von 2009) sind die Netzbetreiber verpflichtet: Zum Schutz von Vogelarten sind neu zu errichtende Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind. An bestehenden Masten und technischen Bauteilen von Mittelspannungsleitungen mit hoher Gefährdung von Vögeln sind bis zum 31. Dezember 2012 die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung gegen Stromschlag durchzuführen.

Und so sehen die entsprechenden Schutzmaßnahmen aus:  

Schutzkappen
Büschelabweiser

Mal schauen ob tatsächlich bereits alle Mittelspannungsleitungen geschützt sind und ob der Schutz funktioniert. Also die Augen offenhalten und die zuständigen Naturschutzbehörden über fehlenden Schutz oder Verluste an entsprechenden Leitungen informieren!

Danke für Eure Mithilfe!

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„Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“

Charles Darwin

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